„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich...."
Männer pilgern durch die Nacht
„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.“ So hieß es im Lied, mit dem sich 18 Männer am Freitag vor Palmsonntag auf den Weg zum diesjährigen Nachtpilgern machten.
Für die erbetene Weite war angesichts einer vor ihnen liegenden Strecke von 28 Kilometern zumindest rein geografisch durchaus gesorgt. Vom Startpunkt, der Kirche St. Peter und Paul, im Zentrum Potsdam ging es nach einer kurzen Andacht und ausgestattet mit dem Reisesegen durch Kaplan Pater Fabian Retschke um kurz nach 22 Uhr auf die Strecke. Diese führte südlich entlang des Heiligen Sees zur Glienicker Brücke – dann immer entlang des Havelufers vorbei an Krughorn und Moorlake, der Kirche St. Peter und Paul Nikolskoe, dem Fähranleger an der Pfaueninsel bis zum Flensburger Löwen am Wannsee. Von dort aus südlich zur Wannseebrücke und dann wieder gen Norden über den Kronprinzessinnenweg zum Grunewald und nach Unterquerung der Avus entlang der Nordufer von Schlachtensee und Krummer Lanke, durch das Riemeisterfenn und über die Rodelbahn im Grunewald zum Hüttenweg. Schließlich durch den Thielpark über das Gelände der Freien Universität und den Corrensplatz weiter durch Lichterfelde zum Zielort Heilige Familie.
Diesen erreichte die Pilgerschar im Alter von 20 bis über 80 nach einem Marsch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt dennoch ohne Verluste morgens um kurz nach 6 Uhr. Unterwegs war die Strecke bei kurzen Rasten und einer längeren Teepause an der Fischerhütte am Schlachtensee mit sechs geistigen Impulsen unterbrochen worden. In diesen reflektierten die Pilger auf der Zielgeraden der Fastenzeit über die Themen Sünde, Gewissenserforschung, Vergebung, Vorverurteilung, Demütigung, Bekenntnis und Besserung.
Nach einer Abschluss Andacht in der Kirche erwartete die Pilger ein heißersehntes Frühstück im Pfarrsaal der Heiligen Familie, wo Kaffee und Brötchen und die Möglichkeit, die Beine auszustrecken, eine erste Regeneration der müden Köpfe und Glieder erlaubte.
Bei der inzwischen vierten Auflage des von den „Heiligen Männern“ organisierten Nachtpilgerns waren nicht nur fünf Nachwuchspilger aus der Pfarrjugend mit am Start; es gesellten sich auch Teilnehmer aus anderen Gemeinden der Pfarrei Johannes Bosco sowie weitere Pilger aus dem Bistum bis aus Ahrensfelde dazu. Als krönenden Abschluss intonierte der älteste Pilger noch das irische Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ auf der Trompete, wenngleich ehrlicherweise der Bedarf der Pilger nach Straßen – und mögen sie noch so sehr bergab führen – für diesen Tag gedeckt gewesen sein dürfte.
Christoph Herbort-von Loeper