Immobilienentwicklung: Der nächste Schritt - Ein Konzept
Aktuell: Bericht aus dem Kirchenvorstand vom 15.12.2025
Am Sonntag, den 18. Januar, lädt der Kirchenvorstand nach der Abendmesse in Herz Jesu zu einer Pfarrversammlung um 19 Uhr (Pfarrsaal oder Kirche, je nach Anzahl der Besucher) ein. Themen sind die Immobilienplanung und Standortentwicklung in unserer Pfarrei. Zusätzlich wird am Sonntag, den 25. Januar nach den Sonntagsmessen an allen Gemeindestandorten eine Anhörung / Aussprache zwischen den Gemeindemitgliedern und Vertretern des Kirchenvorstands angeboten.
In seiner Klausurtagung vom 29.11.2025 hat der Kirchenvorstand als nächsten Schritt der Immobilienentwicklung ein Konzept vorbereitet, das in Form einer Strategie die mittelfristige Entwicklung für die nächstem 15 Jahre ins Auge fasst.
Der Ausgangspunkt ist bekannt: Wir erleben, dass unsere Mitgliederzahlen sinken. Hatten wir im Jahr 2019 im Gebiet der heutigen Pfarrei noch etwa 18.000 Mitglieder, so sind es heute nur noch 15.000, ein Verlust um ein Sechstel. Geht die Entwicklung linear so weiter, so haben wir in 15 Jahren nur noch etwa 9.000 Mitglieder. Wir müssen sogar damit rechnen, dass sich die Entwicklung noch beschleunigt (auch wenn wir hoffen – und in Rechnung stellen, sie könnte sich verlangsamen). Zudem ist zu berücksichtigen, dass das Durchschnittsalter unserer Mitglieder immer höher wird. Nach den Planungen des EBO müssen wir damit rechnen, 2040 für unsere Pfarrei nur noch zwei Geistliche zu haben. Und: Bei einer schrumpfenden Mitgliederzahl wird es schwieriger werden, genug Ehrenamtliche zu finden, die an der Vermögensverwaltung und an der Seelsorge mitwirken. – Wir müssen daher jetzt die Weichen stellen, damit unsere Pfarrei auch 2040 noch handlungsfähig ist und den Mitgliedern einen Raum für das Glaubensleben bieten kann.
Diesen Prozess hat der Kirchenvorstand gemeinsam mit dem Pfarreirat bereits vor zwei Jahren in Gang gesetzt. Eine Arbeitsgruppe („Ideenschmiede“) hat sich über alle Standorte informiert, mit Vertretern und Mitgliedern aller Gemeinden das Gespräch gesucht und ein Konzept entwickelt, das in der Pfarrversammlung im Februar 2025 vorgestellt wurde. Die Gremien haben dieses Konzept erörtert und dazu erneut die Rückmeldung der Gemeinden eingeholt. Jetzt hat der Kirchenvorstand das weitere Vorgehen beraten.
Geht man von dargestellten Zahlen aus, dann ist klar: Wir werden 2040 nicht mehr sechs Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser brauchen – und wir werden sie uns auch nicht leisten und sie auch nicht mehr verwalten können.
Der Kirchenvorstand hofft und wünscht, dass wir 2040 noch zwei, vielleicht drei Kirchenstandorte haben werden. Der zentrale Kirchenstandort ist unsere Pfarrkirche Herz Jesu. Daneben gehen wir davon aus, Heilige Familie mittelfristig als Kirchenstandort erhalten zu können, wenn auch voraussichtlich mit zu verringerndem Flächenbestand.
Für alle anderen Standorte gilt: Sie müssen perspektivisch verkleinert werden und ihr Bestand ist mittelfristig nicht gesichert.
Damit ist eine Richtung gefunden. Auf der Grundlage dieser Grobplanung müssen wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt vorgehen. Dabei ist laufend zu überprüfen, welche Immobilien wir angesichts der sinkenden Zahlen wirklich benötigen und noch rechtfertigen können – wirtschaftlich, aber auch im Sinne einer gesellschaftlichen und Schöpfungsverantwortung. Die Initiativen und Beiträge der Gemeinden sind in unsere Überlegungen schon jetzt eingeflossen und werden wir auch in Zukunft weiter berücksichtigen. Positive Entwicklungen, konstruktive Vorschläge und persönliches Engagement vor Ort werden bei der weiteren Planung und Beschlussfassung natürlich eine Rolle spielen. Wir wollen möglichst viel erhalten, aber auf einem vertretbaren und realistischen Niveau.
Der weitere Prozess wird schwierig und auch schmerzhaft werden. Zurückbauen ist schwerer als aufbauen. Dem Kirchenvorstand ist dabei wichtig, dass wir alle uns in Zukunft noch stärker als Mitglieder einer Gemeinde verstehen und an dem Aufbau und Erhalt dieser Gemeinschaft mitwirken. Wir sollten den Blick nicht allein darauf richten, was an einzelnen Standorten verloren geht, sondern auch auf das, was wir im gemeindeübergreifenden und pfarreiweiten Zusammenwirken erhalten und vor allem neu begründen und gewinnen können.
Der Prozess wird umso leichter, je mehr wir alle – also jedes einzelne Gemeindemitglied – die Dinge in die Hand nehmen und gestalten. So sind die „kleinen“ Gemeinden aufgerufen, schon jetzt das Raumangebot der „großen“ Gemeinden mitzunutzen. Umgekehrt sehen wir die „großen“ Gemeinden in einer besonderen Verantwortung: Sie dürfen sich nicht auf dem „Standortvorteil“ ausruhen, sondern sind gehalten, die Mitglieder der „kleinen“ Gemeinden einzuladen und willkommen zu heißen und auch Möglichkeiten zur „Dezentralisierung“ der eigenen Angebote und Veranstaltungen zu suchen.
Was könnten Sie tun? Zu diesem Prozess kann und muss jeder einzelne beitragen. Wir alle müssen über die Gemeindegrenzen hinaus den Kontakt und das Verbindende suchen: die Gemeinschaft. Wir müssen uns in stärkerem Maße als bisher als Teil eines Ganzen verstehen – und den Blick nicht nur auf den unseren jeweiligen Kirchturm richten. So regen wir etwa an, dass jeder von uns einmal die Gottesdienste in anderen Kirchen der Pfarrei besucht. Und gemeindliche Veranstaltungen sollten sich in besonderem Maße auch an die Mitglieder der anderen Gemeinden richten.
Als eine leider immer kleinere werdende Gruppe werden wir in Zukunft noch stärker den Zusammenhalt suchen und dafür auch weitere Wege auf uns nehmen müssen. Das ist oft unbequem. Aber es ist, mit einigem Abstand betrachtet, auch nicht so „schlimm“, wenn man bedenkt, dass dies für viele Glaubensgemeinschaften nicht anders ist und wir im Südwesten Berlin dennoch weiterhin in einem sehr privilegierten Umfeld leben. Wichtig ist, welche Einstellung wir dazu entwickeln und was wir daraus machen. Damit Glauben endlich wieder Raum gewinnt! Das hängt nicht nur von den Beschlüssen des Kirchenvorstandes ab, sondern von dem täglichen Engagement eines jedem Einzelnen von uns.
Zugleich für den Kirchenvorstand
Karl Riesenhuber
Der Prozess der Immobilienentwicklung
Unser Erzbischof Dr. Heiner Koch hat im Sommer 2023 mit seinem Rundbrief ›Kirche der Verkündigung‹ einen Prozess der Immobilienentwicklung in allen Pfarreien des Erzbistums angestoßen. Rückläufige Katholikenzahlen und absehbar geringer werdende finanzielle Mittel und Priestermangel zwingen zur Prüfung der Fragen: Welche Immobilien können wir auf mittlere bis längere Sicht noch verantwortungsvoll nutzen und erhalten, welche Gebäude brauchen wir noch? Die Aufgabe ist, jetzt proaktiv die Weichen zu stellen, damit in unserer Pfarrei auch in Zukunft aktives Glaubensleben möglich ist.
Umsetzung in unserer Pfarrei
Der Kirchenvorstand hat diese Initiative aufgegriffen. Zur Vorbereitung hat der Kirchenvorstand im Zusammenwirken mit dem Pfarreirat 2023 zunächst eine Arbeitsgemeinschaft („Ideenschmiede“) ins Leben gerufen. An der Arbeitsgruppe haben Mitglieder aller sechs Gemeinden der Pfarrei, des Kirchenvorstands und des Pfarreirats mitgewirkt. Aus dem Kirchenvorstand waren dabei insbesondere auch Vertreter des Bauausschusses und des Finanzausschusses beteiligt.
Die „Ideenschmiede“
Die Arbeitsgruppe hatte das Ziel, zum einen den Bestand der Immobilien und des Renovierungs- und Investitionsbedarfs festzustellen und diesem die Finanzierungsmöglichkeiten der Pfarrei gegenüberzustellen. Zum anderen hat die Arbeitsgruppe die aktuellen und geplanten gemeindlichen Aktivitäten und Entwicklungsmöglichkeiten betrachtet. Für diese Zwecke hat sie alle Standorte besucht, die Liegenschaften in Augenschein genommen und aus baulicher Sicht begutachtet und mit den Gemeindevertretern und Gemeindemitgliedern gesprochen.
Abschlussbericht
Ihren Abschlussbericht hat die ›Ideenschmiede‹ am 20.06.2024 in einer Pfarreiversammlung im Pfarrsaal von Herz Jesu anhand einer Präsentation vorgestellt.
Erörterung in den Gremien
Der Abschlussbericht wurde anschließend in den Gremien erörtert. Im Anschluss an die Pfarreiversammlung haben Kirchenvorstand und Pfarreirat den Bericht zunächst in einer gemeinsamen Sitzung vom 17.02.2025 diskutiert und mehrheitlich als Grundlage für die weitere Diskussion verabschiedet. Um den Gemeinden weitere Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, haben Kirchenvorstand und Pfarreirat in einer weiteren gemeinsamen Sitzung vom 30.09.2025 erneut den Input aus den Gemeinden aufgenommen und sich die Vorstellungen über Entwicklungschancen und -perspektiven erläutern lassen.
Ziel ist es, zu einem gemeinsamen Immobilienkonzept zu gelangen, das pastorale Chancen bietet, dennoch aber auch langfristig finanztechnisch vertretbar ist.