Pfarrei Johannes Bosco - Berliner Südwesten

Heilige Männer auf Radtour 23

Grenzerfahrung: Die „Heiligen Männer“ bei ihrer Radtour auf dem Neiße-Deich an der deutsch-polnischen Grenze.

Karpfen, Kohle, Kirchen

„Heilige Männer“ auf Radtour in der Lausitz

Zieleinfahrt: Die „Heiligen Männer“ am Ziel ihrer Radtour vor der Peitzer Teichlandschaft mit dem Kraftwerk Jänschwalde.

Am ersten September-Wochenende haben sich die „Heiligen Männer“ der Heiligen Familie wieder auf ihre traditionelle Radtour nach den Sommerferien begeben. Die zweitägige Tour führte acht Männer in diesem Jahr ins Lausitzer Braunkohlerevier im südlichen Brandenburg. Vom Ausgangspunkt Peitz führte die Strecke zunächst in Richtung Osten nach Guben. Nach einem Abstecher über die polnische Grenze zur Energieaufnahme durch ein zünftiges Piroggen-Mittagsmahl ging es in Richtung Süden entlang der Neiße zum Übernachtungsort Forst (Lausitz). Die Kreisstadt, die im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der Tuchindustrie wurde und sogar als „deutsches Manchester“ galt, weißt an vielen Stellen Relikte des Niedergangs der Industrie nach dem zweiten Weltkrieg und endgültig nach der Wiedervereinigung auf. Auch die Folgen des Zweiten Weltkriegs mit großflächiger Zerstörung und dem Verlust der östlich der Neiße gelegenen Stadtteile an Polen werden in mehreren im Krieg gesprengten und nie wieder aufgebauten Brücken im Stadtgebiet sichtbar. Durch den auslaufenden Braunkohletagebau steht die Region nun vor einem erneuten tiefgreifenden Strukturwandel, auch wenn an manchen Stellen wie etwa der Neißepromenade der Glanz vergangener Tage noch durchschimmert.

Entlang dieser Promenade startete dann die zweite Etappe der Tour weiter Richtung Süden über Döbern durch den Muskauer Faltenbogen mit Zwischenstopp am Aussichtsturm Felixsee über Cottbus und durch die Teichlandschaft und Kinderstube der Peitzer Karpfen zurück zum Ausgangsort.

Neben den geselligen und sportlichen Aspekten der Tour sorgten auch geistliche Impuls an Start-, Ziel- und Rastpunkten für besinnliche Momente. Texte, die Analogien der Fahrradreise mit dem Lebensweg ins Bewusstsein riefen, das Radfahren in der Natur als Erfahrung des Eins-Seins mit der Schöpfung und somit als eine Art Heilserfahrung darstellen oder die Geschichte der Madonna del Ghisallo, der Schutzheiligen der Radfahrer, erzählten.

Am Ende lagen knapp 150 Kilometer hinter den Radlern mit vielen Eindrücken von Natur, Industrie- und Bergbaugeschichte, bestehenden und renaturierten Tagebauen, Dorfkirchen sowie einer südbrandenburgischen Lebensrealität, die Berlin oft sehr weit entfernt erscheinen lässt. Trotz einer erstaunlich gut ausgebauten Fahrradinfrastruktur wie etwa dem Oder-Neiße- oder dem Spreeradweg war am Ende des Weges das eine oder andere Zwicken in den besonders beanspruchten Körperregionen zu verspüren. Das tat aber dem positiven Gemeinschaftserlebnis der Tour keinen Abbruch, für deren nächsten Auflage im kommenden Jahr bereits die ersten Ideen entwickelt wurden.

Christoph Herbort-von Loeper

Die „Heiligen Männer“ treffen sich immer am vierten Donnerstag im Monat im Pfarrheim der Heiligen Familie. Kontakt: Thomas Schade (thomasfschade@googlemail.com)