Pfarrei Johannes Bosco - Berliner Südwesten

Radtour der Hl. Männer 2026

An der Wiege der Reformation

Radtour der „Heiligen Männer“ im September 2026

„Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.“

Mit diesem Zitat aus dem Morgensegen Martin Luthers – wenn auch eher mit Freude als lauthals singend – machten sich die „Heiligen Männer“ am ersten September-Wochenende zu ihrer traditionellen Spätsommer-Fahrradtour auf den Weg nach Wittenberg.

Mit der Bahn ging es zunächst zum Startpunkt Luckenwalde.
Nach einem Frühstück in einer örtlichen Bäckerei machten sich die sieben Radler auf die erste, etwa 62 Kilometer umfassende Etappe. Die Strecke führte in Richtung Süden, wo im Dörfchen Neuhof ein erster kurzer Stopp zur Besichtigung der aus dem 14. Jahrhundert stammenden gotischen Dorfkirche eingelegt wurde. Weiter ging es durch Jüterbog, über Dennewitz mit Mittagsimbiss im Wirtshaus „Zum Grafen Bülow“ und Zahna mit „Original DDR-Softeis“-Pause bis zur Elbe und dann nach Wittenberg.
Die letzten Ausläufer einiger stürmischer Tage sorgten unterwegs nicht nur für den einen oder anderen umgestürzten Baum auf der Wegstrecke, sondern mitunter auch für 50 km/h Gegenwind, was die gefühlt zurückgelegte Distanz nochmal um einiges erhöhte.

In der „Lutherstadt“ angekommen, war noch Zeit für einen kurzen Rundgang durch die Wiege der Reformation, der mit der Universität, der thesen-beschlagenen Schlosskirche und dem Marktplatz einige der Wirkungsstätten Martin Luthers umfasste. Am Vorabend der mit Spannung erwarteten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schlug sich die in der Stadt vielfach plakativ demonstrierte Weltoffenheit Wittenbergs auch im Abendprogramm der Heiligen Männer in Form eines Abendessens beim Griechen und einem Absacker im Irish Pub nieder.

Dass der Hohe Fläming seinen Namen mit Berechtigung führt, offenbarte sich den Radlern gleich zu Beginn des zweiten Tags, als ihre Strecke aus den Niederungen des Elbe-Tals hinauf bis zum Hirseberg führte, mit 184 Metern eine der höchsten Erhebungen des Höhenzugs. Der weitere Streckenverlauf führte über Klein Marzehns, mit einer Kaffeepause im Naturparkzentrum Hoher Fläming in Raben und einer Turmbesteigung von Burg Eisenhardt in Bad Belzig, nach Baitz bzw. Brück. Dort wurde die zweite Etappe nach etwa 50 Kilometern infolge einigen Zeitverlusts durch eine Reifenpanne und etwas zu ausgeufertem Pausen-Müßiggang entgegen dem ursprünglich geplanten Endpunkt Beelitz-Heilstätten beendet und mit einer Bahnpassage zurück nach Berlin abgeschlossen.

Natürlich war die Tour nicht nur als sportliche Betätigung angelegt, sondern umfasste auch eine spirituelle Komponente. Dabei spiegelten die geistlichen Impulse an den Rastpunkten das ganze Spektrum von radelnden Katholiken in protestantischen Kernlanden wider. Die Luther’schen Morgen- und Abendsegen rahmten die Tage ein, während eine Betrachtung des verstorbenen Papst Benedikt XVI. zum Tagesevangelium (Mt 18, 15-20) Fragen von Schuld und Zurechtweisung reflektierte. Und ein mittägliches Angelusgebet im Gastraum einer brandenburgischen Dorfwirtschaft gibt es vermutlich auch nicht alle Tage.

Unter dem Strich wieder eine gelungene Mischung aus gemeinschaftlicher Aktivität, spirituellen Impulsen, Tuchfühlung mit der Kirchengeschichte und fröhlicher Geselligkeit.

Christoph Herbort-von Loeper