St. Annen verabschiedet einen guten Hirten und sagt danke!
„Das Ziel nicht vergessen, den Weg nicht verlassen, den Mut nicht verlieren.“
Am 5. Juli feierte St. Annen gemeinsam mit Pfarrer Christoph Karlson sowie Domkapitular Martin Kalinowski einen bewegenden Abschiedsgottesdienst für Pfarrvikar Prof. Dr. Kurt Anglet.
Im Alter von 75 Jahren und nach 21 engagierten Dienstjahren in St. Annen tritt er nun in den verdienten Ruhestand
Die Abschiedsrede von Corinna und Martin Tannen würdigt sein Wirken auf sehr eindrucksvolle Weise:









Lieber Herr Pfarrvikar Anglet,
vor kurzem haben wir beim 90. Kirchweihjubiläum der Anfangsjahre der Gemeinde St. Annen gedacht, nun blicken wir mit Dankbarkeit auf die letzten 20 Jahre zurück, in denen Sie insbesondere unsere Gemeinde St. Annen als Seelsorger begleitet haben.
Sie haben in dieser Zeit uns und unseren Angehörigen die Sakramente der Taufe, der Erstkommunion, der Beichte, der Krankensalbung gespendet, Paare getraut, Kinder in der Kita und auch über die Grenzen unserer Gemeinde hinaus alte, einsame und kranke Menschen besucht und unsere Verstorbenen auf dem letzten Erdenweg begleitet.
Immer wieder fiel uns auf, mit welcher Wärme und Hochachtung auch diejenigen Menschen von Ihnen sprechen, die nicht oder nicht mehr zur katholischen Kirche gehören. Sie haben den Kontakt zu ihnen nie abreißen lassen.
Aber vor allem haben Sie an vielen Sonn- und Feiertagen, aber auch Werktagen Eucharistie mit uns gefeiert und uns das Wort Gottes ausgelegt.
In Ihren Predigten haben Sie uns immer wieder den „roten Faden“ aufgezeigt, der zur Auferstehung von den Toten führt. Die österliche Hoffnung und Freude haben Sie deshalb stets in den Mittelpunkt gerückt.
Immer wieder haben Sie uns überrascht: Nicht nur durch Ihre Offenheit für moderne Strömungen in der bildenden Kunst (Paul Klee), der Literatur (Franz Kafka) und Musik (Arnold Schönberg), sondern auch durch ihre kritische Auseinandersetzung mit dem Nihilismus und Totalitarismus in der Geschichte und in Bezug zur gegenwärtigen Gefahr für uns Menschen.
Trotz Ihres enormen Wissens, von dem auch Ihre zahlreichen Bücher zeugen, sind Sie ein Vorbild an Bescheidenheit. Dies wurde uns erneut deutlich, als wir uns – im Zuge der Anschaffung neuer Sitzpolster der Kirchenbänke – auch den Priestersitz ansahen: Das Sitzpolster war so zerschlissen, dass es seine Funktion als Polster schon lange aufgegeben haben musste. Es ist uns zum Sinnbild dafür geworden, wie wenig Aufsehen Sie von sich machen. Oder wie es ein Gemeindemitglied sagte: „Er gehört zu den seltenen Menschen, die Wein predigen und selber Wasser trinken.“
Lieber Herr Pfarrvikar Anglet, über 20 Jahre haben Sie uns auf dem gemeinsamen Weg sicher geleitet. Zum Abschied blicken wir voller Dankbarkeit auf diese Zeit und wünschen Ihnen von Herzen Gottes reichen Segen! Bleiben Sie behütet! Wir bleiben verbunden und werden so Vieles im Herzen bewahren, unter anderem einen von Ihnen häufig zitierten Ausspruch (zugeschrieben dem Kirchenlehrer Gregor von Nyssa):
„Das Ziel nicht vergessen, den Weg nicht verlassen, den Mut nicht verlieren.“